Die Energiewende in Europa ist längst mehr als der Ausbau von Wind- und Solarenergie. Es geht zunehmend darum, Strom, Wärme und Speicher zu verbinden – und darum, wem die Infrastruktur gehört und wer von ihr profitiert. Feldheim hat auf diese Fragen früh praktische Antworten gefunden.
Rund 80 Kilometer südwestlich von Berlin liegt ein Dorf, in dem knapp 130 Menschen leben. Feldheim ist so klein, dass eine einzige moderne Windenergieanlage rechnerisch mehr Strom erzeugen könnte, als der gesamte Ort benötigt. Tatsächlich stehen rund um das brandenburgische Dorf inzwischen 52 Windräder.
Doch das eigentlich Ungewöhnliche befindet sich zum Teil unter der Erde. Feldheim besitzt eigene Netze für Strom und Wärme. Dazu kommen eine Biogasanlage, eine Holzhackschnitzelheizung, eine Power-to-Heat-Anlage und ein großer Batteriespeicher. Seit 2010 kann Feldheim seinen Strom- und Wärmebedarf über eigene Netze und lokal erzeugte erneuerbare Energien decken. Der Ort bleibt dabei an das öffentliche Stromnetz angeschlossen.
Was im Jahr 2010 noch wie ein außergewöhnliches Experiment aussah, funktioniert damit inzwischen seit vielen Jahren. Und gerade heute wird das Beispiel wieder interessant. Denn während erneuerbarer Strom in Deutschland und Europa längst zum Alltag gehört, beschäftigt sich die Energiewende zunehmend mit genau den Fragen, für die Feldheim schon früh eigene Antworten gefunden hat: Wie lassen sich Strom und Wärme miteinander verbinden? Wie kann Energie möglichst dort genutzt werden, wo sie entsteht? Und welche Rolle können Bürger spielen, wenn sie nicht nur Kunden eines Energieversorgers sind, sondern selbst an der lokalen Energieversorgung beteiligt werden?
Angefangen hat alles mit vier Windrädern
Die Geschichte von Feldheim begann bereits 1993. Damals kam Michael Raschemann, zu dieser Zeit Student, mit der Idee in den Ort, dort Windenergieanlagen zu errichten. Bürgermeisterin, Agrargenossenschaft und Gemeindevertretung unterstützten das Vorhaben. Zwei Jahre später gingen die ersten vier Windräder in Betrieb.
Aus diesem vergleichsweise kleinen Projekt entwickelte sich schrittweise ein ganzes lokales Energiesystem.
Heute stehen im Windpark Feldheim 52 Windenergieanlagen. Sie erzeugen nach Angaben von Energiequelle rund 200 Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr. Der lokale Verbrauch entspricht demnach lediglich etwa 0,5 Prozent dieser Jahresproduktion. Der übrige Strom wird in das öffentliche Netz eingespeist. Die Jahresproduktion entspricht rechnerisch dem Stromverbrauch von rund 40.000 Haushalten.
Gerade deshalb ist der Begriff „energieautarkes Dorf“, mit dem Feldheim häufig beschrieben wird, erklärungsbedürftig. Der Ort ist keine vom übrigen Energiesystem abgekoppelte Insel. Feldheim bleibt mit dem öffentlichen Netz verbunden und produziert sehr viel mehr Strom, als es selbst benötigt. Das Besondere ist vielmehr, dass der eigene Bedarf lokal gedeckt werden kann und dafür eine eigene Versorgungsinfrastruktur entstanden ist.
Biogas verbindet Landwirtschaft, Strom und Wärme
Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Landwirtschaft. Seit 2008 verfügt Feldheim über eine Biogasanlage. Nach Angaben des Neue Energien Forums Feldheim verarbeitet sie jährlich unter anderem rund 4.900 Kubikmeter Gülle, 7.900 Tonnen Mais und 620 Tonnen Getreideschrot aus der örtlichen Landwirtschaft. Mit dem erzeugten Biogas wird in einem Blockheizkraftwerk Strom produziert. Rund vier Millionen Kilowattstunden entstehen auf diese Weise jährlich und werden überwiegend ins öffentliche Netz eingespeist.
Mindestens ebenso wichtig ist jedoch die Wärme, die bei der Stromerzeugung anfällt. Sie wird nicht ungenutzt an die Umgebung abgegeben, sondern für die Wärmeversorgung des Dorfes eingesetzt. Nach Angaben von Energiequelle werden dadurch jährlich rund 180.000 Liter Heizöl ersetzt.
Wenn die Wärme aus der Biogasanlage an besonders kalten Tagen nicht ausreicht, kann zusätzlich eine Holzhackschnitzelheizung einspringen. Bei kurzfristigem zusätzlichem Wärmebedarf kommt eine Power-to-Heat-Anlage hinzu. Sie kann Strom aus dem Windpark nutzen, um Wasser für das Wärmenetz zu erhitzen.
2015 kam ein weiterer Baustein hinzu: ein Lithium-Ionen-Batteriespeicher mit zehn Megawatt Leistung und 10,7 Megawattstunden Kapazität. Nach Angaben des Neue Energien Forums Feldheim dient er vor allem der Bereitstellung von Regelleistung und gleicht kurzfristige Schwankungen im überregionalen Stromnetz aus. Seine Hauptaufgabe besteht daher nicht darin, das Dorf nachts mit tagsüber gespeichertem Windstrom zu versorgen.
Feldheim ist deshalb weniger ein Dorf mit einem besonders großen Windpark als ein kleines Energiesystem, in dem unterschiedliche Technologien ineinandergreifen.
Beim Strom hat Deutschland aufgeholt – bei Wärme nicht
Wie ungewöhnlich das Dorf Anfang der 2010er-Jahre war, zeigt ein Blick auf die Entwicklung Deutschlands.
Im Jahr 2000 deckten erneuerbare Energien gerade einmal 6,3 Prozent des deutschen Bruttostromverbrauchs. 2025 waren es bereits 55,1 Prozent. Insgesamt wurden nach der im März 2026 veröffentlichten Jahresbilanz der Arbeitsgruppe Erneuerbare Energien-Statistik beim Umweltbundesamt 290,2 Milliarden Kilowattstunden Strom aus erneuerbaren Energieträgern erzeugt. Allein die Windenergie lieferte 133,9 Milliarden Kilowattstunden – und damit mehr Strom als sämtliche deutschen Braun- und Steinkohlekraftwerke zusammen.
Beim Strom ist das, was Feldheim einst so außergewöhnlich machte, also zunehmend Normalität geworden.
Doch Strom ist nur ein Teil des Energieverbrauchs. In den anderen Bereichen ist die Energiewende deutlich weniger weit fortgeschritten. Während erneuerbare Energien 55,1 Prozent des Bruttostromverbrauchs deckten, erreichten sie bei Wärme 19 Prozent und im Verkehr 8 Prozent. Über alle Bereiche hinweg lag ihr Anteil am deutschen Bruttoendenergieverbrauch 2025 bei 23,8 Prozent.
Das Umweltbundesamt kommt deshalb zu dem Schluss, dass Wärme und Verkehr künftig deutlich stärker in den Fokus rücken müssen, wenn Deutschland seine Energie- und Klimaziele erreichen will.
Genau hier wirkt Feldheim überraschend modern. Das Dorf konzentrierte sich nicht darauf, lediglich möglichst viel erneuerbaren Strom zu produzieren. Es verband Stromerzeugung und Wärmeversorgung miteinander – und nutzte dafür lokale Landwirtschaft und Energieinfrastruktur.

Feldheim: The Energy Transition at a Glance. Graphic by the Energy Europe Editorial Team.
Tausende lokale Wärmenetze wären möglich
Wie groß das Potenzial solcher Modelle sein könnte, hat 2026 das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI untersucht.
Die am 19. Mai 2026 veröffentlichte Analyse „Gemeinschaftliche Wärmewende: Potenziale für Wärmenetzgemeinschaften in Deutschland“ von Anna Billerbeck, Felix Kleff und Barbara Breitschopf vom Fraunhofer ISI untersucht die zukünftige Wärmenachfrage von Gebäuden bis 2050. Die wissenschaftliche Hintergrundstudie wurde für den Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband erstellt.
Besonders interessant sind demnach Siedlungen mit mittleren Wärmedichten, in denen klassische große Wärmenetze nicht immer wirtschaftlich attraktiv sind, gemeinschaftlich organisierte Lösungen aber funktionieren könnten.
Fraunhofer ISI berechnet für Wärmenetzgemeinschaften ein nachfrageseitiges Potenzial von 38,3 bis 44,3 Terawattstunden pro Jahr. Dabei nehmen die Forscher ausdrücklich an, dass lediglich 20 Prozent der möglichen Wärmenetzprojekte in den identifizierten Gebieten tatsächlich umgesetzt werden und innerhalb dieser Projekte eine Anschlussquote von 70 Prozent erreicht wird.
Der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband leitet daraus ab, dass bei einer Realisierung von 20 Prozent des technischen Potenzials rund 8.000 gemeinschaftlich getragene Wärmenetze entstehen könnten.
Die Technik allein reicht dafür allerdings nicht.
„Damit genossenschaftliche Wärmenetze ihr volles Potenzial entfalten können, brauchen sie verlässliche Rahmenbedingungen und eine gezielte Unterstützung“, sagt Jan Holthaus, Vorstand des DGRV.
Auch Fraunhofer ISI sieht Hindernisse. Wärmenetze sind langfristige und kapitalintensive Infrastrukturprojekte. Neben technischen Voraussetzungen spielen deshalb Finanzierung, kommunale Wärmeplanung, Genehmigungen und die Bereitschaft der Haushalte zum Anschluss eine entscheidende Rolle.
Das erklärt zugleich, warum sich Feldheim trotz seines langjährigen Erfolgs nicht einfach tausendfach kopieren ließ.
Wenn Bürger Teil des Energiesystems werden
In Feldheim kamen geeignete Flächen für Windenergie, eine Agrargenossenschaft, ein Projektentwickler, eine unterstützende Kommune und engagierte Einwohner zusammen. Für die lokale Versorgung wurde eine eigene Struktur geschaffen, an der Einwohner, Unternehmen und die Stadt Treuenbrietzen beteiligt sind.
Genau dieser Gedanke hat inzwischen weit über Feldheim hinaus Verbreitung gefunden.
Deutschland zählte 2025 laut DGRV-Jahresumfrage Energiegenossenschaften 2025 998 Energiegenossenschaften mit rund 220.000 Mitgliedern. Gemeinsam hatten sie rund 3,6 Milliarden Euro in erneuerbare Energien investiert und erzeugten etwa acht Terawattstunden Strom.
Die dort ausgewiesenen Geschäftsfelder zeigen, dass Bürgerenergie längst nicht mehr nur aus gemeinschaftlich finanzierten Solardächern besteht: 80 Prozent der erfassten Energiegenossenschaften installieren und betreiben Solarstromanlagen, 25 Prozent erzeugen Strom in Windparks. 28 Prozent betreiben Wärmenetze, 20 Prozent Stromspeicher und 22 Prozent engagieren sich in der Elektromobilität.
Für den DGRV liegt der Wert dieser Projekte deshalb nicht allein in zusätzlichen Kilowattstunden. „Die Menschen vor Ort profitieren von wirtschaftlichen Vorteilen und haben als Mitglieder ein aktives Mitspracherecht“, heißt es in der Jahresumfrage. Dies sorge für „Akzeptanz und Vertrauen“.
Für eine Gemeinde macht es einen Unterschied, ob Einwohner einen Windpark lediglich am Horizont sehen oder ob ein Teil der wirtschaftlichen Erträge im Ort bleibt. Ebenso macht es einen Unterschied, ob Menschen Entscheidungen über neue Energieinfrastruktur nur hinnehmen oder daran beteiligt sind.
Feldheim hat diese Verbindung früh hergestellt.
Trotzdem bleibt Feldheim eine Ausnahme
Die bundesweiten Zahlen zeigen allerdings auch, wie schwierig die praktische Umsetzung bleibt. Nach der DGRV-Jahresumfrage liefern 40 Prozent der Energiegenossenschaften selbst Strom. Das geschieht beispielsweise in einzelnen Gebäuden, über gesonderte Stromlieferverträge oder über den überregionalen Stromhandel. Fehlende beziehungsweise komplizierte Rahmenbedingungen beim sogenannten Energy Sharing erschweren nach Einschätzung des Verbands flexiblere lokale Lösungen.
Ein eigenes Stromnetz wie in Feldheim bleibt deshalb ungewöhnlich.
Auch bei der Wärme kann nicht jedes Dorf das brandenburgische Modell übernehmen. Nicht überall stehen geeignete Flächen für Windenergie zur Verfügung. Nicht jede Gemeinde verfügt über eine Agrargenossenschaft oder über die Rohstoffe für eine Biogasanlage. Und ein eigenes Strom- oder Wärmenetz aufzubauen ist finanziell und organisatorisch erheblich aufwendiger, als einzelne Solaranlagen zu installieren.
Die eigentliche Bedeutung Feldheims besteht deshalb nicht darin, eine technische Blaupause zu liefern. Interessanter ist das Prinzip dahinter: Energie wird lokal erzeugt, unterschiedliche Technologien werden miteinander verbunden und Einwohner sowie örtliche Akteure werden Teil des Systems.
Europa entdeckt die Energiegemeinschaft
Was in Feldheim früh begann, ist inzwischen auch zu einem europäischen Thema geworden.
2025 stammten nach den im Juli 2026 veröffentlichten vorläufigen Daten von Eurostat 49,9 Prozent des Bruttostromverbrauchs der Europäischen Union aus erneuerbaren Quellen. 2004 waren es erst 15,9 Prozent. Österreich erreichte 90,8 Prozent, Schweden 89,2 Prozent und Dänemark 77,7 Prozent.
Eine zweite Eurostat-Auswertung fällt etwas niedriger aus: 47,3 Prozent der tatsächlich innerhalb der EU erzeugten Elektrizität kamen 2025 aus erneuerbaren Quellen.
Die beiden Werte widersprechen sich nicht, sondern beziehen sich auf unterschiedliche Bezugsgrößen. Die 49,9 Prozent messen den Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch nach der EU-Systematik für erneuerbare Energien. Die 47,3 Prozent beziehen sich dagegen auf die Zusammensetzung der tatsächlich in der EU erzeugten Elektrizität.
Auch europaweit zeigt sich die Lücke zwischen Strom und Wärme. Der Anteil erneuerbarer Energien bei Heizung und Kühlung erreichte 2025 27,4 Prozent. Und Elektrizität insgesamt macht derzeit lediglich rund 23 Prozent des Endenergieverbrauchs der EU aus.
Die Europäische Kommission sieht deshalb eine stärkere Elektrifizierung von Wärme, Verkehr und Industrie als einen entscheidenden nächsten Schritt.
Mehr als 8.000 Energiegemeinschaften
Parallel verändert sich die Frage, wer diese Energie erzeugt.
Nach Angaben der Europäischen Kommission waren Ende 2025 bereits mehr als 8.000 Energiegemeinschaften in Europa aktiv. Dabei verwendet die Kommission ausdrücklich eine breite Definition, die über die engeren rechtlichen EU-Kategorien hinausgeht.
Mit dem im März 2026 vorgestellten Citizens Energy Package und dem im April veröffentlichten Energy Communities Action Plan will die Kommission solche Modelle stärker fördern. Der Aktionsplan konzentriert sich auf fünf Bereiche: bessere rechtliche Rahmenbedingungen, Zugang zu Finanzierung, Beratung und Kompetenzaufbau, soziale Teilhabe sowie digitale Innovation und Integration in das Energiesystem.
Das Ziel ist ambitioniert. Die von Energiegemeinschaften installierte erneuerbare Leistung könnte nach Einschätzung der Kommission bis 2030 auf bis zu 90 Gigawatt steigen.
Bis dahin könnten mehr als 16 Millionen europäische Haushalte und rund 630.000 kleine und mittlere Unternehmen selbst erneuerbare Energie produzieren. Für einzelne Haushalte mit eigener Solarstromproduktion und Eigenverbrauch nennt die Kommission mögliche Einsparungen von 260 bis 550 Euro im Jahr. Bei Gemeinschaften von Haushalten mit einer Kombination aus Wind- und Solarenergie könnten es unter den zugrunde gelegten Annahmen 440 bis 930 Euro sein.
Aus einem Modell, das vor Jahrzehnten in Orten wie Feldheim außergewöhnlich erschien, ist damit ein eigenes Feld europäischer Energiepolitik geworden.
Erneuerbare Energien in Bürgerhand
Für REScoop.eu, den europäischen Verband der Energiegemeinschaften, geht es dabei um mehr als Klimaschutz.
Nach Vorstellung des Citizens Energy Package sagte REScoop-Vizepräsidentin Ilonka Marselis am 10. März 2026: „Erneuerbare Energien und Gebäudesanierungen in Bürgerhand zu bringen, ist der beste Weg, Europas Unabhängigkeit, Demokratien und lokale Wirtschaft zu schützen.“
REScoop ist ein Interessenverband der Energiegemeinschaften; die Aussage ist deshalb als politische Position des Verbands zu verstehen. Sie zeigt aber zugleich, wie sehr sich die Debatte erweitert hat. Es geht nicht mehr ausschließlich darum, möglichst viele erneuerbare Kilowattstunden zu produzieren. Es geht zunehmend darum, wem die Anlagen gehören, wer an Entscheidungen beteiligt wird und wo ihre wirtschaftliche Wertschöpfung landet.
Auch die Europäische Kommission argumentiert inzwischen mit wirtschaftlichen und sozialen Vorteilen. Eigenproduktion und Energy Sharing könnten Verbrauchern mehr Autonomie ermöglichen und den Zugang zu bezahlbareren und stabileren Energiepreisen verbessern.
Vom Experiment zum europäischen Thema
Als die ersten vier Windräder 1995 bei Feldheim gebaut wurden, war erneuerbarer Strom in Deutschland eine Randerscheinung. Als das Dorf 2010 sein eigenes Strom- und Wärmesystem aufbaute, war eine lokale Versorgung auf Basis erneuerbarer Energien noch außergewöhnlich.
2025 kam mehr als die Hälfte des deutschen Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Quellen. In der Europäischen Union war es inzwischen fast die Hälfte. Deutschland zählt inzwischen fast 1.000 Energiegenossenschaften, europaweit sind mehr als 8.000 Energiegemeinschaften aktiv.
Damit hat sich auch die Bedeutung Feldheims verändert.
Der interessanteste Teil seiner Geschichte ist heute nicht mehr der Beweis, dass ein Dorf mit erneuerbaren Energien versorgt werden kann. Bemerkenswert ist vielmehr, wie früh Feldheim mehrere Fragen zusammenbrachte, mit denen sich Deutschland und Europa heute intensiv beschäftigen: Wie lässt sich erneuerbarer Strom auch für Wärme nutzen? Welche Rolle können Speicher und lokale Netze spielen? Wie lassen sich Landwirtschaft und Energieproduktion verbinden? Und wie kann erreicht werden, dass die Menschen vor Ort nicht nur neue Energieinfrastruktur vor ihrer Haustür sehen, sondern selbst daran beteiligt werden und wirtschaftlich davon profitieren?
Feldheim liefert dafür keine universelle Antwort. Dafür sind die Voraussetzungen des kleinen brandenburgischen Dorfes zu speziell.
Aber der Ort zeigt seit 2010, dass Strom, Wärme, Speicherung, Landwirtschaft, Unternehmen, Kommune und Einwohner nicht als voneinander getrennte Teile des Energiesystems betrachtet werden müssen.
Vor mehr als 30 Jahren begann alles mit vier Windrädern. Heute stehen 52 Anlagen rund um Feldheim, während eigene Strom- und Wärmeleitungen durch das Dorf führen und Biogasanlage, Batteriespeicher und Wärmeversorgung miteinander verbunden sind.
Aus dem ungewöhnlichen Energieprojekt eines kleinen Dorfes ist damit ein frühes Beispiel für eine Debatte geworden, die heute in ganz Europa geführt wird – nicht mehr nur darüber, wie Energie künftig erzeugt wird, sondern auch darüber, wo, von wem und für wen.